Aleksis Kivi

Aleksis Kivi wurde 1834 als Alexis Stenvall in der finnischen Provinz gebiren, er ging schon mit zwölf Jahren nach Helsinki, um dort zur Schule zu gehen (ein damals übliches Verfahren, um Kindern höhere Bildung zukommen zu lassen, denn auf dem Land gab es keine höheren Schulen). Diese Schule schloss er mit der Reifeprüfung ab, danach folgte aber eine Reihe von Fehlschlägen: das Mädchen, das er liebte, verließ Finnland, die Universität brach Kivi ab, ein damals in Finnland bedeutender Literaturkritiker veriss sein wichtigstes Werk „Seitsemän veljestä“ („Die sieben Brüder“, 1870). Zwar hatte Kivi (Kivi ist die finnisierten Variante von Stenvall) auch Unterstützer, aber nach zehn Jahren unermüdlichen Schaffens und Trinkens, verließ ihn durch die Ablehnung offenbar der Lebensmut: Er litt an Depressionen und Schmerzattaken, wurde in eine psychatrische Klinik eingeliefert, wo Schizophrenie und Angstzustände diagnostiziert werden, alles klassische Symptome einer Ich-Störung. Kivi starb in Armut und und Obdachlosigkeit, genau wie er sein Leben lang befürchtet hatte.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als Finnland als eigenes Land zu existieren begann (zu Kivis Zeiten war es noch Teil Russlands) und sich damit auch die finnische Kultur weiterentwickelte, betrachteten einige der wichtigsten finnischen Künstler Kivi als nationale Ikone, vor allem, weil er sich dem Romantizismus seiner Zeit entgegengesetzt und das Landleben so geschildert hatte, wie es gewesen war – hart, von Strapazen und Sorgen geprägt, voller Leid und Schmerzen, aber auch mit diesem typischen finnischen Einschlag von Idealismus und Heimatverbundenheit. 1939 wurde die heute berühmte Statue in Helsinki errichtet, die Kivi als nachdenklichen Denker zeigt und an der der Helsinki-Besucher wohl kaum vorbeikommt (es sei denn, er meidet das Zentrum weiträumig). Heute gilt er als Nationaldichter, sein Geburtstag ist der Tag der finnischen Literatur, einer der sogenannten Flaggentage, an denen die finnische Flagge gehisst wird. Die Tatsache, dass er als einer der ersten Literatur als von der finnischen Landbevölkerung ausgehend begriff und auf Finnisch schrieb, hat ihn zu einem Begründer der finnischen Identität gemacht, auch wenn er davon selbst nichts mehr mitbekommen hat.

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